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Robin Ph. Straub (1956-2004)

Der Dillmann-Abiturient und langjährige Förderer von Dillmann Alumni, Robin Ph. Straub, ist am 27. Dezember 2004 unerwartet in seinem Urlaub verstorben. Wir sind tief erschüttert über seinen plötzlichen Tod.

Robin Ph. Straub war lange über seine Schulzeit hinaus mit dem Dillmann-Gymnasium eng verbunden. Dass er nun aus dem Leben und unserer Mitte gerissen wurde ist für die Schule und den Dillmann Verein ein großer Verlust.

Seiner Familie und dem Auktionshaus Nagel gilt unser aufrichtiges Mitgefühl.

Die Dillmann Alumni

 

Im November 2003 gab uns Robin Ph. Straub ein Interview für Alumni In Persona…

Unkonventioneller Aufstieg:
Vom Dillmann-Schüler zum erfolgreichen Auktionator

Dillmann Alumni: Früher waren Sie Dillmann-Schüler. Jetzt sind Sie Geschäftsführer eines international renommierten Auktionshauses. Wie kam es dazu? Robin Ph. Straub: Nachdem ich endlich mein Abitur geschafft hatte, habe ich angefangen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Nach kurzer Zeit wurde mir jedoch klar, dass dies nichts für mich ist. Daraufhin habe ich mich bei einer Flasche Wein mit meinem Bruder beratschlagt. Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt, wobei mein Bruder mich eigentlich gleich darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich schon immer gerne gehandelt habe: Erst mit Spielzeug, dann mit Fahrrädern, schließlich mit Mopeds und Autos. Wir haben dann diskutiert, mit was ich handeln könnte: Sogar den Import von kanadischem Holz haben wir uns überlegt. Irgendwann kam mein Bruder darauf, dass unser Vater mal einen Bilderrahmen an das Kunsthaus Nagel verkauft hat. Und so kam ich auf Kunsthandel. Kunst klingt ja auch besser als Holz! 

Wie haben Sie dann den Einstieg beim Kunsthaus Nagel geschafft? Ich habe beim Kunsthaus Nagel angerufen und meine Lage erklärt. Nach einem Vorstellungsgespräch – bei dem ich im schwarzen Anzug erschien – habe ich drei Wochen später ein Praktikum beginnen dürfen. Das sah dann so aus, dass man mir einen Besen in die Hand drückte und mir erklärte, dass die vielen Garagen, in denen sonst Sachen gelagert sind, gekehrt werden müssten. Das habe ich dann auch relativ lange Zeit gemacht (lacht). Ich hatte mir aber einfach vorgenommen, von jeder Art von Arbeit irgendwie zu profitieren. Auch wenn ich anfangs nur Möbel oder Kunsthandwerk herumtragen durfte, habe ich immer versucht, mir die Gegenstände genau anzuschauen. So habe ich im Lauf der Zeit ein Gefühl für das Geschäft bekommen.

Irgendwann waren Sie aber nicht mehr nur Praktikant. Ja, stimmt. Ich hatte angeregt, Computer einzuführen. Dafür wurde ich zunächst ausgelacht. Ich habe dann nicht locker gelassen – eine meiner Fähigkeiten. Ein Jahr später, ich war zwischenzeitlich nicht mehr Praktikant, hatten wir dann einen Computer! Da Herr Nagel reiner Kunstliebhaber war, fiel mir die Aufgabe zu, mehr Strukturen in den Ablauf zu bringen und Vorgänge zu standardisieren. Das hat dazu geführt, dass ich den Laden irgendwann in- und auswendig kannte. So konnte ich vieles deutlich optimieren. Das hat sich für das Haus, das damals ja bereits zu den zehn renommiertesten Auktionshäusern in Deutschland gehörte, ausgezahlt. Und das hat mir im Hinblick auf meine gehaltliche Situation natürlich geholfen. Herr Nagel war immer sehr fair zu mir. Unsere Zusammenarbeit hat zu einem sehr engen Vertrauensverhältnis geführt.

Schließlich haben Sie das Auktionshaus von Herrn Nagel übernommen. Richtig. Ende der achtziger Jahre beschäftigten wir uns intensiv mit der Frage, wie es mit dem Auktionshaus weitergehen soll. Ich war damals 34 Jahre alt und habe darum gebeten, das Unternehmen zu einem Zeitpunkt erwerben zu dürfen, an dem ich noch die Chance habe, den Kaufpreis zu Lebzeiten abzubezahlen. Darüber hat Herr Nagel dann nachgedacht. Zum Jahreswechsel 1989/1990 ist das Unternehmen dann auf mich übergegangen. Dabei haben wir den Namen beibehalten, um das Vertrauen der Kunden nahtlos auf mich zu übertragen. Aus heutiger Sicht hat das wunderbar geklappt. Vor allem auch, weil Herr Nagel mich voll unterstützt hat und ständig zugegen war.

Würden Sie sich als Kunstliebhaber oder als Manager bezeichnen? Als Manager. Aber als ein Manager mit Interesse an Kunst. Man muss das Business irgendwo lieben. Ich kann nur deshalb erfolgreich sein, weil ich eben mit Kunst zu tun habe und nicht mit Holz!. Durch unser Haus gehen pro Jahr so etwa 20.000 bis 25.000 Objekte – da habe ich logischerweise schon mit Kunst zu tun. Ich bedauere allerdings etwas, dass sich im Lauf der Zeit meine Entfernung vom täglichen Geschäft mit der Kunst immer mehr vergrößert hat, weil ich mich viel mit Strategie, Finanzen, Organisation usw. beschäftigen muss.

Ihr beruflicher Aufstieg war unkonventionell. Würden Sie heutigen Schülern im Hinblick auf Ihre Berufsplanung zu mehr Offenheit und Mut raten? Mit einem solchem Rat nimmt man große Verantwortung auf sich. Also für mich war es sicher richtig. Und: Wenn es einem liegt, Eigeninitiative zu ergreifen, ist es schon gut, wenn man sehr flexibel ist. Das liegt natürlich nicht jedem. Man muss auch mal einen Rückschlag einstecken können, ohne gleich in Depressionen zu verfallen. Wenn man das hinbekommt und auch – ganz wichtig – Selbstvertrauen hat, dann kann man schon einmal die eingefahrenen Wege verlassen. Prinzipiell glaube ich, dass die eingefahrenen Wege zum Teil die schwierigeren sind. Wenn man sich beispielsweise anschaut, wie viele Leute Jura studieren – da steht ja bald jedem sein privater Rechtsanwalt zur Verfügung. Der wird dann auch noch andere Aufgaben übernehmen müssen, wie beispielsweise die Gartenpflege (lacht).

Was würden Sie eigentlich selbst gerne mal ersteigern? Uhren mit ewigen Kalender. Ich habe ein Faible für schöne Uhren. Insbesondere auch für so genannte „frühe Uhren“. Aber auch ein tolles Gemälde oder Möbel kann mich begeistern.

Indem Sie den Druck des Dillmann-Jahrbuchs tatkräftig unterstützen, fördern sie das Dillmann-Gymnasium. Warum? Das Dillmann war die Schule, an der ich mich mit weitem Abstand am wohlsten gefühlt habe. Das mag zwar auch damit zusammen gehangen haben, dass ich zu diesem Zeitpunkt durch die Pubertät war und mit meinen Eltern ein agreement hatte: Ich mache irgendwie mein Abi, sie halten sich dafür raus. Aber: Ich habe eine relativ umfangreiche Schulkarriere hinter mir. Ich war auf unterschiedlichen Gymnasien, zwischendurch auch auf einem Internat. Meine letzten drei Schuljahre habe ich dann schließlich am Dillmann-Gymnasium verbracht. Insofern nehme ich für mich in Anspruch, dass ich gewisse Vergleiche anstellen kann. Und da muss ich sagen, dass ich am Dillmann zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass die Lehrer tatsächlich am positiven Erfolg ihrer Schüler interessiert waren. Sie haben die Schüler nicht als Last empfunden, sondern gesagt: „Wir wollen, dass ihr gute Schüler seid!“. Das war für mich eine neue Erfahrung.

Das Interview im November 2003 führte Claudius Werwigk, Fotos: Kerim Arpad

 

 

Die Person

Robin Ph. Straub wurde am 11. Mai 1956 geboren und machte 1976 am Dillmann-Gymnasium sein Abitur. Danach studierte er Betriebswirtschaftslehre in Pforzheim. Sein Studium brach er aber nach kurzer Zeit ab, um beim Auktionshaus Nagel ein Praktikum zu beginnen. Dort arbeitete er sich im Lauf der Jahre hoch, bis er 1990 das Auktionshaus von Gert K. Nagel vollständig übernahm. Seitdem ist er Alleininhaber und Geschäftsführer von „Nagel Auktionen“. Robin Ph. Straub ist verheiratet und hat eine Tochter und zwei Söhne. Sein ältester Sohn besucht das Dillmann-Gymnasium.

 

Das Unternehmen

„Nagel Auktionen“ ist eines der führenden international tätigen Auktionshäuser in Deutschland. Es wurde 1924 in Mannheim von Dr. Fritz Nagel gegründet, später dann von seinem Sohn Gert K. Nagel fortgeführt, bis es schließlich von Robin Ph. Straub übernommen wurde. Dem breiten Publikum wurde das Auktionshaus vor allem durch die „größte Auktion aller Zeiten“ bekannt, bei der der Schatz der untergegangenen chinesischen Dschunke „Tek Sing“ zunächst in der Stuttgarter Bahnhofshalle ausgestellt und anschließend versteigert wurde. 2003 zog das Unternehmen mit Stammsitz in Stuttgart in ein aufwendig umgebautes Fabrikgebäude in der Neckarstraße, das vor allem wegen seiner zwei ständig brennenden Fackeln am Eingang auffällt. Das Gebäude umfasst ein großzügige und repräsentative Fläche von 5.000 Quadratmetern. Bei „Nagel Auktionen“ arbeiten derzeit 42 Mitarbeiter. Das Auktionshaus bietet einjährige Praktika an.

Nagel Auktionen im Internet


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