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Unaufgeregter Aufstieg: Vom Dillmann-Schüler zum erfolgreichen Familienunternehmer

Michael von Resch
Geschäftsführender Gesellschafter der Gretsch-Unitas GmbH

Dillmann Alumni: Vom Dillmann-Schüler zum geschäftsführenden Gesellschafter eines weltweit aktiven Familienunternehmens – wie kam es dazu? Michael von Resch: Das hat sich gegen Ende meiner Schulzeit abgezeichnet. Ich habe damals überlegt, entweder meiner technischen Neigung nachzugehen oder Medizin zu studieren. Da mein Großvater und mein Vater über Jahrzehnte unser Familienunternehmen aufgebaut haben, lag es für mich nahe – und es war auch reizvoll – in das eigene Unternehmen einzusteigen.

Nach dem Abitur habe ich Wirtschaftsingenieurwesen studiert, um mich auf den Einstieg in das elterliche Unternehmen gezielt vorzubereiten. Dieser Studiengang verband auf ideale Weise mein Interesse für Technik mit dem Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. Ein reines Maschinenbaustudium wäre mir zu einseitig gewesen.

Während meines Studiums habe ich in einem Bereich des Kernforschungszentrums Karlsruhe gearbeitet, der damals auch mittelständische Unternehmen beraten hat. Ich betreute eine Software zur Produktionsplanung und -steuerung und stellte diese interessierten Unternehmen im Rahmen zweitägiger Seminare vor. Dadurch habe ich erste Einblicke in den Unternehmensalltag erhalten und Verständnis für die praktischen Probleme mittelständischer Unternehmen entwickelt.

Und wie ging es nach dem Studium weiter? Nach dem Studium trat ich zunächst in das eigene Unternehmen ein. Als Assistent der Geschäftsführung bei Gretsch-Unitas bekam ich einen guten Einblick in alle Abteilungen und die dort gestellten Aufgaben. Danach zog es mich für mehrere Jahre nach Frankreich. Nach verschiedenen Stationen an der Universität von Grenoble, einem Bankpraktikum und verschiedenen französischen Betrieben kam ich zurück ins eigene Unternehmen und übernahm die Geschäftsführung unserer französischen Produktionsgesellschaft Ferco. Nach sieben Jahren kehrte ich in unser Stammhaus nach Ditzingen zurück und trat in die Geschäftsführung der Holding ein. Heute führe ich zusammen mit meinem Bruder die Unternehmensgruppe.

Was hat Sie in ihrer Zeit am Dillmann-Gymnasium geprägt? Das Dillmann hat mich vor allem durch seine humanistische Anschauung geprägt, die auch naturwissenschaftliche Neigungen fördert. Es war nicht nur der Lateinunterricht wichtig, sondern auch moderne Sprachen und Naturwissenschaft waren gleichrangig. So durfte ich in Form einer Informatik AG bei Herrn Stapf die Geburtstunde des Informatik-Unterrichtes erleben. Damals speicherte man – heute unvorstellbar – in Ermangelung anderer Datenträger die Programme noch auf Musik-Kassetten. Aber ich habe die Programmiersprache „Basic“ gelernt   und das in einem altsprachlichen Gymnasium!

Und im sehr philosophisch geprägten Religionsunterricht von Herrn Vogel habe ich gelernt, dass die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, es verschiedene Perspektiven und nicht nur die eine Wahrheit gibt. Die Welt- und Interessenoffenheit, die am Dillmann vermittelt worden ist, ist mir heute bei der Führung eines internationalen Unternehmens, bei der man mit Menschen aus verschiedenen Kulturen arbeitet, sehr hilfreich. Insgesamt wurde mir am Dillmann im besten Sinne des Wortes eine umfassende Allgemeinbildung zuteil.

Sie setzen sich sehr für die Schule ein: Sie haben die Dillmann Stiftung mitgegründet, sind dort Stiftungsrat und haben den Bau und die Finanzierung der Aula großzügig unterstützt. Was motiviert Sie dazu? Ich möchte auch außerhalb des Unternehmens gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Die Förderung und Unterstützung von Bildung ist für die Zukunft unseres Standortes entscheidend. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, werden wir nicht in der Lage sein, unseren hohen Lebensstandard zu halten! Für die Bildung ist zwar zunächst der Staat verantwortlich, aber bei Investitionen in die jungen Köpfe unseres Landes sind alle gesellschaftlichen Kräfte, insbesondere auch die Unternehmen, gefordert. Daher habe ich gerne mitgeholfen, den Bau der Aula für die Ganztagesbetreuung zu unterstützen.

Was verbindet Sie heute noch mit dem Dillmann-Gymnasium? Zunächst einmal bin ich der Schule dankbar für eine Ausbildung, welche die Basis für meine heutige Tätigkeit geschaffen hat. Auch fühle ich mich der Tradition und der besonderen Kultur der Schule verbunden. Dazu gehört für mich das überdurchschnittliche Engagement von Schülern, Lehrern und Ehemaligen. Das ist nicht selbstverständlich. Aus meiner Sicht gibt es auch unter den Ehemaligen einen guten Zusammenhalt. Und wir alle wissen: Es besteht schlicht die Notwendigkeit, junge Menschen sehr gut auszubilden.

Sie führen ein Unternehmen mit 4.000 Mitarbeitern. Welche Maßstäbe sind für Sie bei der Unternehmensführung maßgeblich? Vor allem die Verantwortung gegenüber dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern. Als Familienunternehmer habe ich eine sehr enge Verbindung zum Unternehmen. Schon als Kind bin ich an der Hand meines Vaters durch die Firma gegangen. Ich kenne viele Mitarbeiter schon sehr lange. Bei unternehmerischen Entscheidungen dürfen die Mitarbeiter nicht aus dem Blick geraten. Wichtig ist, dass der Unternehmenserfolg auch die Zukunft der Mitarbeiter sichert und schwierige Entscheidungen so getroffen werden, dass sie für die Mitarbeiter nachvollziehbar und erträglich bleiben.

Ich versuche daher, meiner gesellschaftlichen Verantwortung vor allem im Rahmen meiner unternehmerischen Tätigkeit nachzukommen. Je mehr Arbeitsplätze unser Unternehmen schafft, desto mehr Menschen können wir Sicherheit bieten. Wichtig ist mir auch die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter und die Beschäftigung von Behinderten.

Können Sie den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen empfehlen? Das Studium empfiehlt sich für alle, die sowohl Interesse an Technik als auch an wirtschaftlichen Zusammenhängen haben. Das Studium verknüpft technisches Wissen mit wirtschaftlichen Kenntnissen. Man qualifiziert sich damit für wichtige Schnittstellen. Reine Techniker tun sich oftmals schwer, ihre Produkte mit guten Margen an den Mann zu bringen. Umgekehrt sind reine Kaufleute meist nicht in der Lage, eine komplexe Technik zu verstehen. Das Studium ist sehr vielschichtig, allerdings wird man nicht zum Experten, sondern zum Generalisten ausgebildet.

Der Arbeitsmarkt für Wirtschaftsingenieure ist zudem hervorragend. Nicht nur in der Industrie, sondern auch bei Banken und Versicherungen werden wirtschaftlich und technisch kompetente Menschen gesucht, etwa bei der Beurteilung von Kreditausfall- und Schadensrisiken. Aus meiner Sicht ist Wirtschaftsingenieurwesen ein Studium mit Zukunft.

Was raten Sie jungen Menschen, die vor der Studien- oder Berufswahl stehen? Jeder sollte das studieren oder erlernen, was am meisten seinen Interessen und Neigungen entspricht. Auf keinen Fall sollte man nur auf die Arbeitsplatzchancen, das mögliche Gehalt oder das Image eines Berufs schielen. Egal, ob man Landschaftsgärtner oder Dorfpfarrer wird - Spaß muss es machen! Schließlich muss man sich sein ganzes Leben mit seinem Beruf beschäftigen. Letztlich ist die Freude an der Tätigkeit entscheidend für den eigenen Erfolg.

Unabhängig davon, für welchen Ausbildungs- und Berufsweg man sich dann entscheidet: Der künftige Beruf sollte in jedem Fall mehrsprachig ausgeübt werden können. Internationalität ist heute extrem wichtig. Man sollte in der Lage sein, entweder auch in anderen Ländern arbeiten zu können oder mit Kunden oder Kollegen aus dem Ausland zumindest sprechen zu können.

Vielen Dank!

Das Interview im Februar 2008 führte Dr. Claudius Werwigk, Fotos von Kerim Arpad

 

 

Die Person 

Michael von Resch wurde 1961 in Stuttgart geboren und machte 1980 am Dillmann-Gymnasium das Abitur. Danach studierte er in Karlsruhe Diplom-Wirtschaftsingenieurwesen. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er zunächst einige Zeit im elterlichen Unternehmen. Auf eine Weiterbildung an der Universität von Grenoble folgten Praktika und Berufserfahrung in verschiedenen französischen Unternehmen. 1998 übernahm er die Geschäftsführung des französischen Unternehmens Ferco SAS. Seit 2005 ist er geschäftsführender Gesellschafter der in Ditzingen ansässigen Gretsch-Unitas GmbH. Zusammen mit seinem Bruder leitet er heute das Familienunternehmen in der dritten Generation. Michael von Resch ist Mitglied des Stiftungsrates der Dillmann Stiftung.

 

Das Unternehmen

Die Unternehmensgruppe Gretsch-Unitas mit Sitz in Ditzingen ist auf die Produktion von Fenstertechnik, Türtechnik und automatischen Eingangssystemen spezialisiert und gehört weltweit zu den renommiertesten Anbietern von Baubeschlägen und Sicherheitseinrichtungen. Das Unternehmen hat ca. 4.000 Mitarbeiter und ist mit 50 Vertriebs- und Produktionsgesellschaften in 70 Ländern aktiv. Fast 80 % des Umsatzes erwirtschaftet die Unternehmensgruppe heute im Ausland. Zur Unternehmensgruppe gehören neben der Gretsch-Unitas GmbH der französische Beschlaghersteller Ferco SAS und das auf Türtechnik spezialisierte Unternehmen BKS GmbH sowie weitere IT- und Logistikunternehmen. 2007 feierte Gretsch-Unitas sein 100jähriges Jubiläum.

Unternehmensgruppe Gretsch-Unitas im Internet


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