Alumni Forum mit Annette Schavan

Im Juni 2005 war es soweit: Annette Schavan, damals noch baden-württembergische Ministerin für Jugend, Kultus und Sport, holte ihren bereits für das Vorjahr zugesagten Besuch am Dillmann-Gymnasium nach und hielt einen Vortrag zum Thema „Wie halten wir unsere moderne Gesellschaft zusammen?“. Nach der Berufsberatung im Vorjahr war dies die zweite erfolgreiche Veranstaltung im Rahmen des Dillmann Alumni Forums.

Trotz vorgezogenem Bundestagswahlkampf nahm sich die jetzige Bundesministerin für Bildung und Forschung bereits vor Beginn ihres Vortrages Zeit für einen Rundgang durch das Schulgebäude, um sich das Modell der geplanten Dillmann Aula vom Architekten Michael Herwarth und Schulleiter Manfred Birk ausführlich erklären zu lassen. Sie zeigte sich sehr beeindruckt und lobte das „außergewöhnliche private Engagement“ der gesamten Schulgemeinschaft. Sie habe es nur sehr selten erlebt, dass eine Schule aus eigener Initiative ein Projekt in dieser Größenordnung vorantreibe. Insbesondere die Bereitschaft der Ehemaligen, Eltern, Lehrer und Schüler zur Teilnahme an einer so breit und ideenreich angelegten Fundraising-Kampagne seien vorbildlich und keineswegs selbstverständlich.

In der Turnhalle wurde die Ministerin schließlich von rund 80 neugierigen Zuhörern erwartet. Nachdem Schulleiter Manfred Birk und Claudius Werwigk als Initiator des Dillmann Alumni Forums das Publikum begrüßt hatten, begann sie ihren einstündigen Vortrag. Sie hob zunächst hervor, wie wichtig der Dialog innerhalb einer Schule für den Erfolg einer werteorientierten Erziehung sei: „Ohne Dialog zwischen Menschen und ohne Menschen mit Vorbildfunktion kann die Vermittlung von Werten nicht gelingen.“ Eine Pädagogik des Vorbildes sei für die Werterziehung einer jeden Generation zentral.

Schavan nahm sodann die vier Kant’schen Grundfragen des Menschen (Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun? Was ist der Mensch?) zum Ausgangspunkt, um die Bedeutung von Werteerziehung für jeden Einzelnen darzustellen. Die Bedeutung einer solchen Erziehung für die Zukunft der Gesellschaft machte sie exemplarisch anhand den aktuell offenen Fragen in der Bioethik, der EU-Erweiterung in Richtung Türkei sowie an den immer häufiger werdenden Phänomenen der Zwangsheirat und der Ehrenmorde deutlich. Angesichts dieser gesellschaftlichen Entwicklungen mahnte sie eine Verständigung über die gemeinsamen Grundlagen des kollektiven Gedächtnisses an. Dies sei eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen, da der Staat dies nicht leisten könne. Denn „der Staat beruht auf Voraussetzungen, die er selbst nie schaffen kann“, zitierte sie den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde. Sie selbst werbe und streite dafür, den christlichen Glauben als gemeinsame Grundlage hierfür heranzuziehen.

Auf dieses – aus dem Munde einer wertkonservative Christdemokratin wenig überraschende – Bekenntnis folgte im Anschluss an ihren Vortrag eine lebhafte, teilweise kontroverse Diskussion. Diese wurde später bei Rotwein und Brezeln im Musiksaal in lockerer Atmosphäre fortgesetzt, so dass sich sowohl Schülern als auch Ehemaligen und Eltern die Gelegenheit eines persönlichen Gespräches mit der Ministerin bot. Die Idee des Dillmann Alumni Forums, einen lebendigen und offenen Dialog zwischen Schule und Politik, Wirtschaft und Kultur zu ermöglichen, wurde die Veranstaltung damit durchaus gerecht, auch wenn sich die Anzahl der Zuhörer – wohl termin- und abiturbedingt – in einem noch ausbaufähigem Rahmen bewegte.

Dr. Claudius Werwigk

 


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