Rückblick

Buchwochen



Günter Grass, wir kommen! Dass es der deutschen Literatur-Szene an Nachwuchs-Autoren nicht fehlt, zeigten die AG Kreatives Schreiben des Dillmann-Gymnasiums bei den Stuttgarter Buchwochen 2007: Zusammen mit anderen Schülern aus der Region lasen Philipp Hrivatakis (6a), Tobias Groß (7a), Josina Herding (9a), Glorianna Jagfeld (10a), Max Demel (12), Ursula Reinert (12), Vincent Severin (12), Silke Steinbrenner (12), Nathan Haezeleer (13) und Hanna Kim (13) ihre neuesten Texte vor. Das interessierte Publikum bekam im Bertha-Benz-Saal des Hauses der Wirtschaft Kurzgeschichten und Gedichte, Romananfänge und Wortspiele zu hören.



Unverkennbar war bei den Dillmann-Schülern - im Unterschied zu früheren Jahren - die Tendenz zu längeren, narrativen Texten. Auch bei unseren Nachwuchs-Autoren zeigt sich offensichtlich die Renaissance des Epischen… Erfreulich für die schreibenden Schüler waren die vielen positiven Rückmeldungen im Gespräch mit den Zuhörern nach der Lesung. Veranstaltet wurde die Lesung vom Förderkreis Kreatives Schreiben und Musik e.V., der von der ehemaligen ‚Dillmann-Mutter' Gerda Herrmann und der früheren Dillmann-Lehrerin Brigitte Böhme vor einigen Jahren gegründet worden war. Die Anthologien des Förderkreises, in denen zahlreiche Texte unserer AG Kreatives Schreiben abgedruckt sind, können im Sekretariat des Dillmann-Gymnasiums erworben werden.

Manfred Birk



Pubertät-Vortrag am Dillmannn

Ein Vortrag sorgte dafür, dass am Dillmann nicht nur Schüler, sondern auch Eltern und Lehrer noch etwas lernen können… Am 15. November, um 19.30 Uhr, fand in der Aula des Dillmann-Gymnasiums ein Vortrag für Eltern, Lehrer und interessierte Schüler zum Thema „Pubertät“ statt. Die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Frau Lutz war als Referentin geladen. Im Anschluss an den Vortrag ging sie auf die Fragen der Zuhörer ein. Frau Lutz praktiziert seit vielen Jahren in Stuttgart und konnte vieles aus eigener Erfahrung berichten. Es war ein bereichernder und zugleich beruhigender Vortrag, der dem Thema „Pubertät“ einiges an Schrecken nahm und die Zuhörerschaft oft zum Schmunzeln brachte.





An dieser Stelle sei Frau Lutz nochmals besonders gedankt, denn Frau Lutz verzichtete auf ihr Honorar, sodass der gesamte, durch Spenden eingenommene Erlös, einem Verein gestiftet werden konnte, der sich um Slum- und Straßenkinder in Bangladesch kümmert. Ein Besuch der Homepage des Vereins Shishu Neer lohnt sich! www.shishuneer.de Da der Vortrag großen Anklang gefunden hat, hoffen wir diese Veranstaltung nächstes Jahr wiederholen zu können!

Begegnung mit der Weißen Rose

Widerstand im Dritten Reich, Weiße Rose, Zweiter Weltkrieg - für uns Schüler des Dillmann-Gymnasiums waren das bis zum 30. März nur abstrakte Begriffe aus dem Geschichtsunterricht. Doch an diesem Tag sollte sich das ändern: Hans Galli, bei Kriegsende ein 26 Jahre alter Hauptmann, berichtete uns - den Schülern der Klassen 10 bis 13 - von seinen Kriegserlebnissen, vor allem von seiner Zusammenarbeit mit den Geschwistern Scholl. Um 11:20 Uhr gingen wir in die neue Aula, wo der Vortrag stattfand. Dies war für uns auch etwas Besonderes, da dies nach der Einweihung die erste Veranstaltung war, bei der sich die Aula bewähren sollte. Während der Saal sich füllte, warfen viele von uns schon neugierige Blicke auf den Herrn, der zusammen mit dem Religionslehrer Sven van Meegen, der ihn eingeladen hatte, vor der Menge wartete: So sieht also ein Mitstreiter der Weißen Rose aus?



Um 11:30 Uhr begann er dann vor der gefüllten Aula mit seinen Erzählungen, und wegen seiner sehr anschaulichen Erzählweise waren wir sofort von dem rüstigen Herrn gefesselt: Angefangen bei seiner Kindheit, in der er streng katholisch erzogen wurde, schilderte er uns, wie er 1938 nach seinem Abitur zum RAD (Reichsarbeitsdienst) ging, und danach zur Wehrmacht kam, bei der er Leutnant wurde. Bei seinem ersten Einsatz ging es nach Frankreich, wo er auf einem Eisenbahngeschütz eingesetzt war, das über den Ärmelkanal nach England schoss. Doch schon da hoffte er bei jedem Schuss insgeheim, dass er alles traf, bloß keine Menschen... 1940/41 studierte er dann für ein Trimester an der Universität München Forstwirtschaft. Hier horchten wir auf: Uni München - waren da nicht auch die Geschwister Scholl aktiv? Doch das kam erst später, wie wir sogleich erfuhren. Zuerst ging es für Herrn Galli zurück zu seiner Einheit, die für den bevorstehenden Russlandfeldzug aufgeteilt wurde: während der eine Teil in Frankreich blieb, musste er mit der anderen Hälfte an die Ostfront: Hier zeigte sich für ihn der Schrecken des Krieges hautnah: Ein deutscher Verbandsplatz, auf dem die Russen nachts das gesamte Personal und die dort liegenden Verwundeten ermordet hatten, blieb ihm ganz besonders schlimm in Erinnerung. Als Herr Galli, inzwischen Oberleutnant, 1942 dann 20 Kilometer vor Stalingrad verwundet wurde, lernte er auf einem Verbandsplatz schließlich einen Münchner Medizinstudenten kennen, der die gleichen politischen und religiösen Ansichten hatte wie er. Jetzt begann die Verbindung mit der "Weißen Rose": Weil Herr Galli wegen seiner Verwundung wieder in München studieren konnte, erhielt er im Vertrauen den Namen eines Studenten, der genauso dachte: Hans Scholl. Jetzt wurde es besonders spannend: Wie lief der Widerstand, über den wir so oft im Unterricht gehört hatten, denn nun konkret ab? Zunächst hörten wir dazu ein Zitat aus einem der Flugblätter der weißen Rose: "Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen, dunklen Herrscherclique regieren zu lassen." Und gerade bei den Flugblättern begann für Herrn Galli seine Tätigkeit im Widerstand. Er versteckte Stapel davon unter seinem Offiziersmantel, und "ließ" an öffentlich zugänglichen Orten immer wieder welche "liegen". Gerade in der Zeit nach dem 13. Januar 1943 wurde er aber auch anders aktiv. Anlass war eine Rede zum 470-jährigen bestehen der Universität München, die der Gauleiter vor den versammelten Studenten im deutschen Museum hielt. Zuerst bezeichnete er Stalingrad als "Abenteuer", und dass es eine Ehre sei, es zu erleben. Natürlich verstimmte das vor allem die Studenten, die von der Front kamen und die Realität kannten. Aber zum endgültigen Eklat kam es, als der Gauleiter den Studentinnen sagte, sie sollten lieber "dem Führer ein Kind schenken", als sich "an der Uni herumzutreiben"... Daraufhin "platzte" die Versammlung, und Studenten und Studentinnen verließen solidarisch den Saal. Im Anschluss daran malte Hans Galli zusammen mit zwei Gleichgesinnten Parolen wie "Nieder mit Hitler" an Litfasssäulen und Hausecken an. Wir waren beeindruckt von dieser Reaktion auf die unverschämten Äußerungen des Gauleiters, denn gerade dieser respektlose Umgang, den der Funktionär mit den Studenten hatte, die nicht viel älter als wir waren, ließ uns sehr nachdenklich werden. Die Verhaftung von Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 bedeutete zwar das Ende für die Weiße Rose, aber nicht für Hans Gallis Kriegseinsatz. Er kam danach noch an die Italienfront und andere Kriegsschauplätze, bis er am 5. April 1945 als Abschnittskommandant für die Verteidigung Eisenachs herangezogen wurde. Doch auch hier zeigte sich wieder seine Einstellung: Anstatt, wie es sein Kampfkommandant wollte, bis zum bitteren Ende zu kämpfen, entließ Hauptmann Galli "seine" Truppen, und rettete dadurch die Stadt, die sich nun kampflos den Amerikanern ergab.

Am Ende dieser Ausführungen waren wir alle sehr begeistert, da nun die abstrakten Fakten aus der Geschichte für uns "menschlich" geworden waren. Unser Respekt vor Herrn Galli, seinen Taten und auch davor, dass er sich die Mühe gemacht hatte, zu uns zu kommen, entlud sich in einem mehrminütigen Applaus, der schließlich in "standing ovations" gipfelte. Die hatte sich Herr Galli auch verdient: Durch seinen Besuch wird für uns die Geschichte des Widerstandes im 2. Weltkrieg von nun an viel greifbarer bleiben, als es nur durch Schulbücher möglich gewesen wäre.

Alexander Tuschinski, Jgstf. 12, Dillmann Gymnasium