Wie Ehemalige ihrer alten Schule eine Aula schenke

Wie Ehemalige ihrer alten Schule eine Aula schenken
Ohne private Förderer und Unternehmen wäre der am Samstag eingeweihte Neubau des Dillmanngymnasiums nie entstanden

Das Dillmanngymnasium hat am Wochenende einen Neubau eingeweiht, der auf bundesweit bisher einmalige Weise finanziert wurde. Die Kosten haben vorwiegend private Gönner übernommen - die Stadt zahlte weniger als ein Viertel des Gesamtbetrags.

Von Erik Raidt

Immer wieder hat der Schulleiter Manfred Birk anlässlich der Einweihung der neuen Aula an seiner Schule den „ganz besonderen Dillmanngeist“, beschworen. Dieser habe maßgeblich dazu beigetragen, dass man den kostspieligen Neubau verwirklichen konnte. Im Rahmen eines Festakts hat das Gymnasium aus dem Stuttgarter Westen am Samstag seine neue Aula eröffnet. Aus Sicht des Schulleiters wäre dieses Bauprojekt ohne eben jenen Dillmanngeist nicht zu Stande gekommen: So nahm an der Feier unter anderem ein Mann teil, der vor 77 Jahren sein Abitur auf der Schule gebaut hatte. Und kurz vor der Einweihungsfeier erreichte Manfred Birk das Glückwunschfax eines ehemaligen Schülers, der jetzt in Asien lebt.

Rund 3,5 Millionen Euro hat der Neubau der Aula gekostet. Das Besondere daran: die Stadt zahlte davon lediglich 750 000 Euro - den Rest des Betrags finanzierten Unternehmen, Ehemalige, Eltern und Schüler, die bei verschiedenen Anlässen Geld sammelten. Dem Projekt wurde weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung geschenkt, weil die Verantwortlichen auch bei dem Werben um private Mittel neue Wege beschritten hatten. Während der Einweihungsfeier beschrieb der Architekt Michael Herwarth - selbst ein ehemaliger Schüler des Dillmanngymnasiums - das ehrenamtliche Engagement: „Wir haben eigens eine Stiftung gegründet, einen Internetauftritt gestaltet und ein Alumni-Netzwerk von Ehrenamtlichen aufgebaut.“

Schon die Zahl der Gratulanten aus allen großen Parteien machte am Samstag deutlich, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Neubauprojekt für eine Schule handelte. Da zeigte sich neben weiteren Landtagsabgeordneten Christoph Palmer, der Kreischef der Stuttgarter CDU. Und auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Muhterem Aras, hörte die Rede von Susanne Eisenmann (CDU). Die Stuttgarter Schulbürgermeisterin sagte, dass sie es anfangs kaum für möglich gehalten habe, dass ein Projekt dieser finanziellen Größenordnung vorwiegend von privaten Gönnern finanziert werden könne. „Umso mehr verdient dieses einzigartige Engagement unsere größte Anerkennung.“

Der Neubau ergänzt das denkmalgeschützte Ensemble des Altbaus - aus Platzgründen wurde die Aula sechs Meter tief in den Untergrund eingebettet. Dabei ist das Gegenteil von einer Dunkelkammer entstanden, weil ausreichend Tageslicht durch verglaste Flächen in der Decke in den Raum gelangt. In der Aula sollen künftig das Schulorchester musizieren, AGs genug Platz finden und das Konzept der Ganztagsbetreuung umgesetzt werden: „Hier können wir ein Mittagessen und eine Hausaufgabenbetreuung anbieten“, erläuterte der Schulleiter. Ehrenamtlich ist auch das Engagement zahlreicher Eltern, die an diesem Ort künftig als so genanntes Küchenkabinett kochen werden.

Dass der Dillmanngeist nicht nur einkommensstarke Ehemalige beflügelt hat, zeigt sich angesichts der Wandgestaltung der neuen Aula: Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen beteiligten sich an einem Wettbewerb, aus dem schließlich eine Jury den Gewinner bestimmte. So zieren nun bunte Blasen die Innenwände des Neubaus. Der Siegerentwurf stammt von den Achtklässlern Timo Zunft und Jonas Bauer, die am Samstag ausgezeichnet wurden. Dass ihre Arbeiten aus dem Kunstunterricht einmal die Aula ihre Schule schmücken würden, hätten sie niemals zu träumen gewagt.

Stuttgarter Zeitung, 19. März 2007


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