Spendensammler übergeben Schlüssel ans Schulamt

Spendensammler übergeben Schlüssel ans Schulamt
Privat finanzierte Dillmann-Aula eingeweiht

Am Dillmann-Gymnasium im Stuttgarter Westen haben Schulchor und Theater-AG jetzt eine schmucke Bühne. 3,5 Millionen Euro kostete die neue Aula mit Ganztagsbetreuung, die nicht nur architektonisch Zeichen setzt: Schüler, Eltern und eine Stiftung sammelten das meiste Geld für den Neubau, die Stadt gab 750 000 Euro.

VON JÜRGEN LESSAT

Michael G. Herwath, der Vorsitzende der Dillmann-Stiftung, war nicht lange Hüter des Schlüssels. Obwohl die Stiftung, von ehemaligen Dillmännern und Schülereltern gegründet, den Großteil der Millionen zusammensammelte als auch den Bau organisierte, ging die nagelneue Aula während der offiziellen Einweihungsfeier am Samstag in den Besitz des Stuttgarter Schulamts über. „Wir sind halt eine schwäbische Landeshauptstadt“, witzelte Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann bei der symbolischen Schlüsselübergabe, die verwaltungsrechtlich zwingend wurde. Der Saal ist bundesweit eines der ersten privat finanzierten Bauprojekte an einer staatlichen Schule, die Stadt als Schulträger bezuschusste das Vorhaben zusätzlich.

Schulleiter Manfred Birk beschwor in seiner Festansprache den „Dillmann-Geist“, der in atemberaubender Zeit zu erfolgreichen Spendenkampagnen durch Schüler, Eltern und Ehemalige geführt habe. Georg Wacker, Staatssekretär im Kultusministerium, lobte den Einsatz der Sammler und Geber als mustergültig.

Bürgermeisterin Eisenmann gestand, dass sie nicht an den Erfolg des Projekts geglaubt habe. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, bewunderte sie die zwischen den bestehenden Gebäudeflügeln eingegrabene Aula, in der 360 Personen Platz finden. Oberlichter und das verglaste Treppenhaus bewirken, dass am Saalboden sechs Meter unter der Erdoberfläche teils bessere Lichtverhältnisse als in den denkmalgeschützten Altbauten herrschen. Eine voll ausgestattete Küche erlaubt die tägliche Essensausgabe und damit die offene Ganztagsbetreuung.

Eigene Akzente durften die Schüler bei der Wandgestaltung setzen. Aus rund 100 im Kunstunterricht entstandenen Vorschlägen kürte die Schülermitverwaltung die Idee zweier Achtklässler zum Sieger: bunte Seifenblasen, die zum Himmel aufsteigen.

In die Festlaune mischten sich jedoch auch kritische Stimmen. „Wir waren gute und schlechte Sammler“, kritisierten Schüler, dass das Spendenaufkommen klassenweise auf den Schulfluren gelistet wurde. „Es gab einen gewissen Erwartungsdruck, viel Geld zu sammeln“, bestätigt Schülersprecher Matthias Hong.

Dennoch sei das Spendenprojekt sinnvoll gewesen, um die Identifikation mit der Schule zu stärken. Auch das „Küchenkabinett“, wie sich die 50 ehrenamtlich in der Schulküche tätigen Eltern nennen, wünschte sich mehr als nur warme Dankesworte. „Ehrenamt stößt auch an seine Grenzen. Jetzt wird es Zeit, dass das Land unsere Vorleistung anerkennt“, appellierte Sprecherin Eva Walter an Kultusstaatssekretär Wacker, der Küche die laufenden Betriebskosten zu spenden.

Stuttgarter Nachrichten, 19. März 2007


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