Lehrerständchen und Sekt zum Spatenstich

Lehrerständchen und Sekt zum Spatenstich
Im Dillmanngymnasium entsteht die erste privat finanzierte Aula - Bürgermeister ziehen Hut

Es ist eine Premiere: Gestern ist am Dillmanngymnasium im Westen der erste Spatenstich zum zweigeschossigen Neubau der Aula gefeiert worden. Die Schulstiftung trägt den Großteil der 3,3 Millionen Euro Kosten selbst, die Stadt knapp ein Viertel.

Von Inge Jacobs

Die Minusgrade haben der festlichen, fröhlichen Stimmung keinen Abbruch getan: Auf der Schulwiese zwischen den denkmalgeschützten Altbauten des Dillmanngymnasiums traten fünf Menschen kräftig ihren Spaten in die Erde und erhielten für den symbolischen Akt einen Applaus fast wie bei einem Rockkonzert - nicht nur von den Ehrengästen draußen, sondern auch von hunderten von Schülern, die von ihren Klassenzimmerfenstern aus dem Ereignis beiwohnten.

Die Spatenstecher waren neben Schulleiter Manfred Birk, OB Wolfgang Schuster und Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann auch Michael von Resch vom Dillmann-Stiftungsrat und Michael Herwarth vom Abijahrgang 1979. Dass der Ehemalige immer noch an seiner alten Schule in Erscheinung tritt, liegt zum einen daran, dass er Architekt ist und die Aula geplant hat, zum anderen daran, dass so was zum „Dillmanngeist“ gehört.

Nur so lässt sich erklären, wie es möglich ist, dass ein staatliches Gymnasium auf eigene Initiative der Raumnot ein Ende setzt und die Finanzierung des 3,3 Millionen Euro teuren, unterirdischen Baus innerhalb von zwei Jahren nahezu allein auf die Beine stellt - dank vieler Ehemaliger, aber auch dank einer intakten, engagierten Schulgemeinschaft, die nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf angemessene räumliche Voraussetzungen für eine Ganztagsbetreuung mit Mittagstisch warten wollte.

Eine solche Haltung beeindruckte auch den Gemeinderat, der seinerseits 750 000 Euro zu dem Projekt beisteuert. Das sei zwar im Vergleich zur Gesamtsumme „nicht so viel, aber auch net nix“, wie OB Schuster unter Applaus erklärte. Eine Schule, meinte er, sei „nur dann gut, wenn sie den Erfordernissen der Zeit gerecht wird.“ Dazu gehöre auch, nicht nur zu fordern, sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Architekt Herwarth konterte: „Ein sagenhafter Return on Investment ist Ihnen garantiert.“ Nicht nur materiell - denn nach der Fertigstellung in einem Jahr geht das Bauwerk ins Eigentum der Stadt über -, sondern auch ideell. Es könnte ja sein, dass der Dillmanngeist auch anderswo Schule macht. „Eine Gesellschaft muss sehen, dass sie für den Bildungssektor auch Verantwortung trägt“, so Manfred Birk. Der Lehrerchor drückte dies mit einem Aulalied gleich mehrstimmig aus. Für die Großen gab’s dann Sekt.

Stuttgarter Zeitung, 25. Februar 2006


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