Dillmanngymnasium startet durch

Dillmanngymnasium startet durch 
Neue Maßstäbe

Kommentar von Inge Jacobs

Es ist inzwischen üblich, dass Eltern am Wochenende zu Pinsel und Farbe greifen und die Klassenzimmer ihrer Kinder zumindest optisch wieder auf Vordermann bringen, sogar in staatlichen Schulen. Denn wo es trostlos aussieht, da dauert es nicht lang, bis sich die "Ist-nicht-meins,-ist-mir-wurscht"-Haltung breit macht. Die Folgen sind hinlänglich bekannt: Müll wird einfach fallen gelassen, das Mobiliar dient zum Frustabbau, die Aggressionen der Schüler nehmen zu. Das ist kein Wunder, denn Schüler haben ein sehr genaues Empfinden dafür, ob etwas in sie und ihr Umfeld investiert wird - oder eben nicht. Wer die Schüler und ihre Eltern in Umgestaltungen aktiv einbezieht, mag zunächst Verärgerung ernten. Doch mit so einer Maßnahme kann nicht nur Geld gespart werden, sondern auch ein anderes Ziel erreicht werden: Die Identifikation mit der Schule wächst, und das ist auch für die Aneignung von Bildung gut.

Das Dillmanngymnasium begnügt sich nicht mit optischen Maßnahmen. Mit seinem Plan für den weit gehend privat finanzierten Neubau einer Aula hat es sich in eine andere Dimension katapultiert: 3,3 Millionen Euro in einem Jahr zusammenzubringen ist ein sehr ehrgeiziges Ziel - zumal in einer Zeit, in der die Wirtschaft kränkelt und die öffentlichen Kassen leer sind. Das Vorhaben ist aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert: Es zeigt den Stellenwert von Bildung in Euro und Cent. Und es setzt viel Mut und Zutrauen in die Schulgemeinschaft und ein funktionierendes Netzwerk der Ehemaligen voraus.

Mit dieser aus dem Ausland abgeguckten Schulförderung und dem Netzwerkgedanken der Ehemaligen setzt das staatliche Dillmanngymnasium gleich in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe: nach innen und nach außen. Dieses "Schaut mal her, so viel sind uns Schule und unsere Schüler wert" wird seine Signalwirkung in beide Richtungen nicht verfehlen. Es darf freilich nicht zur Folge haben, dass die staatliche Unterstützung für Schulbauten weiter zurückgefahren wird und sich künftig nur noch Schulen mit potentem Umfeld bestens präsentieren können.

Aber das Beispiel des Dillmanngymnasiums könnte auch die positive Wirkung haben, dass Bildung und Schule wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Das wäre gut, nicht nur wegen Pisa.

Stuttgarter Zeitung, 11. März 2005


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