LATEIN – WOZU?

Voraussetzung für das Studium

Bei Beginn ihres Studiums stellen viele Studenten mit Schrecken fest, dass sie die Prüfung in dem gewählten Fach nur ablegen dürfen, wenn sie Latein gelernt haben. Jetzt kostet es sie wertvolle Studienzeit, Latein auf der Universität nachzulernen - auf der Schule wäre es leichter und gewinnbringender gewesen.


In der Regel wird das "Latinum" oder das "Große Latinum" verlangt für das Studium von:

  • Sprachen
  • Literatur
  • Philosophie
  • Theologie
  • Geschichte
  • Archäologie
  • Kunstgeschichte
  • Musikwissenschaften


Latein lernt man am erfolgreichsten möglichst früh, entweder als 1. oder als 2. Fremdsprache (ab Klasse 5 bzw. ab Klasse 7). Dabei können nachfolgender Englisch- und Spanischunterricht, wie ihn unser Schulprofil vorsieht, von Latein nur profitieren.

Wer Latein lernt, lernt nicht nur Latein

LATEIN: Basis für besseres Deutsch

Mit Latein lernt man, die deutsche Sprache besser zu verstehen und bewusster, präziser und abwechslungsreicher zu gebrauchen.
Mit Latein versteht man anspruchsvolle Texte besser.
Mit Latein durchschaut man besser, wie man durch Sprache beeinflusst werden kann.
Mit Latein lernt man, Fremdwörter und Fachausdrücke zu verstehen und richtig zu benutzen.

LATEIN: Sprungbrett für andere Sprachen

Beim Lateinlernen

  • lernt man Wörter, die man beim Erlernen weiterer Fremdsprachen gut gebrauchen kann. Das gilt z.B. für romanische Sprachen wie Französisch und Spanisch – etwa 80% des spanischen Wortschatzes stammen aus dem Lateinische. Aber auch im Englischen kommen über 50% der 400.000 Wörter direkt oder indirekt aus dem Lateinischen kommen.
  • erwirbt man sich grammatisches Grundlagenwissen, das einen Zugang zu den meisten europäischen Sprachen vermittelt.
  • eignet man sich Methoden an, wie man Wörter lernt, wie man Formen erkennt und bildet, wie man erkennt, welche Wörter im Satz zusammengehören.


Also: Auf der Grundlage von Latein lernt jeder moderne Fremdsprachen leichter und in kürzerer Zeit!


LATEIN: Spezialtraining fürs Köpfchen Beim Lateinlernen lernt man, genau hinzusehen, exakt zu unterscheiden, richtig zu kombinieren, d.h. aus den Beobachtungen die richtigen Schlüsse zu ziehen, komplizierte Zusammenhänge zu überblicken, zielstrebig und mit Ausdauer bei der Sache zu bleiben.

Alle diese Fähigkeiten benötigt nicht nur der Detektiv, sondern jeder, der es in seinem Beruf zu etwas bringen will.

Wer kann Latein lernen?

Im Prinzip kann jeder Latein lernen, schließlich sprachen nicht nur in Rom alle Latein - dies allerdings als Muttersprache -, auch andere Völker wie Gallier, Briten, Spanier nahmen im Zuge der Ausbreitung des römischen Reiches diese Sprache an. So einfach haben wir es heute nicht mehr. Doch jeder, der das Gymnasium schafft, kann auch Latein schaffen!


Dabei hat es der leichter,

  • dem Sprache Freude macht,
  • der sorgfältig hinsehen und gut beobachten kann,
  • der Unterscheidungsvermögen besitzt,
  • der Spaß am Kombinieren hat,
  • der gerne Regeln entdeckt,
  • der bereit ist zu regelmäßigem Training, ,
  • der nicht gleich aufgibt, wenn es mal schwieriger wird,



Entgegen kommt ihm:

  • Die Unterrichtssprache ist Deutsch.
  • Die Hör- und Sprechanforderungen in der Fremdsprache treten in den Hintergrund.
  • Aussprache und Rechtschreibung machen keine Schwierigkeiten. Man spricht, wie man schreibt - man schreibt, wie man spricht.




Latein: Alte Sprache auf neuen Wegen

Eines gilt natürlich: Wer Sprachen lernen will, gleichgültig welche, kommt um intensives, sicher auch mühsames Arbeiten nicht herum. Dies gilt auch für den Lateinunterricht. Dieser aber gibt sich keineswegs zufrieden mit Wörterpauken, Herunterrasseln von Formeln und mechanischem Übersetzen. Er nützt die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Didaktik und Methodik und vermittelt in lebendiger Weise lateinische Sprache und römische Kultur.


Latein: 2000 Jahre Aktualität

Bedeutende Werke der Weltliteratur, in denen Grundprobleme menschlicher Existenz dargestellt werden - noch heute aktuell wie vor 2000 Jahren - sind in lateinischer Sprache abgefasst. Themen wie: Krieg und Frieden, Leben und Sterben, Freundschaft, Liebe und Leid, Macht, Recht und Moral - sie alle fordern zu kritischer Auseinandersetzung und auch zu Identifikation heraus und können so dazu beitragen, eigene Positionen zu begründen. Genügt es aber nicht, diese Werke in deutscher Übersetzung zu lesen? Für ein vordergründiges Kennenlernen sicher. Wer aber das Gesagte wirklich verstehen will, sollte – wie bei jedem fremdsprachlichen Werk von literarischem Rang – das Werk in der Originalsprache lesen.

Hierzu ein Beispiel:

Das lateinische Wort "ratio" kann im Deutschen wiedergegeben werden mit: Berechnung, Grundsatz, Interesse, Methode, Mittel, Prinzip, Rechenschaft, Rechnung, Rücksicht, Summe, Theorie, Vernunft, Zustand. Keine dieser Übersetzungen lässt die hinter dem Wort "ratio" stehende Grundvorstellung voll erkennen: "ratio" ist das "Rechnen", das uns "rational" Zugang zu den Dingen verschafft.
Und wie das Rechnen mit Zahlen zu Lösungen führt, so erkennt der Mensch, der die "ratio" zur Grundlage seines Handelns macht, Gesetzmäßigkeiten und Handlungs¬anweisungen für die Gestaltung seines Lebens. Es gibt in der deutschen Sprache keinen Begriff, der den gesamten Bedeutungsumfang von "ratio" umfaßt. Nur wer die Grundvorstellung eines Wortes kennengelernt hat, kann seine Bedeutungsvielfalt ermessen und ist nicht auf die Deutung angewiesen, die eine Übersetzung vorgibt.



Liegt auch die Welt der lateinischen Sprache weit vor unserer Zeit, so ist sie doch eine der Grundlagen, die unsere europäische Welt entscheidend geprägt haben und in ihr weiterleben. Latein verstehen bedeutet auch, unsere eigene Welt ein wenig besser zu verstehen. Bei allem, was uns mit dem alten Rom verbindet, eröffnet uns die lateinische Sprache auch eine Welt von faszinierender Andersartigkeit. Die Auseinandersetzung mit ihrer hochentwickelten Kultur und Zivilisation bewahrt uns davor, nur unseren eigenen Standpunkt zum Maßstab zu nehmen - und führt uns zu Aufgeschlossenheit gegenüber Dingen, die neu und fremd sind.